HERMANN GERLAND FEIERT 60. GEBURTSTAG

Wer ihn noch im Grünwalder Stadion erlebt hat, weiß, warum er den SpitznamenTiger trägt. Wie er ruhelos an der Seitenlinie auf und ab sprang. Wie er brüllte, knurrte, fauchte. Wie er nach dem Schlusspfiff belegte Brote wahlweise wütend oder genussvoll verschlang. Wie er gedankenverloren vom Grünwalder an die Säbener Straße spazierte, die Füße in Fußballschuhen. Der Tiger  war gefürchtet, der Tiger war verehrt und ist es bis heute, wenn er seinen 60. Geburtstag feiert.

Geboren am 4. Juni 1954 in Bochum war Hermann der älteste Sohn einer Bergmann-Familie. „Als mein Vater starb, war ich neun Jahre alt“, erzählte er. „Wir waren vier Kinder, und wir waren arm.“ Diese Zeit hat ihn geprägt. Pflichtbewusstsein, Leistungsbereitschaft, Einsatzwille - damit hat Gerland den Sprung in den Profifußball geschafft. „Ich bin ein Malocher-Typ, der den Fußball liebt und nicht Show“, beschrieb er sich selbst, „mein Lebensmotto heißt: Ohne Fleiß keinen Preis.“

Wie „besessen“ habe er als Jugendlicher für seinen Traum gearbeitet. „Ich wollte es allen zeigen und habe verbissen trainiert.“ Von 1972 bis 1984 spielte Gerland dann tatsächlich in der Bundesliga, immer für den VfL Bochum. Ein kantiger Verteidiger, der bald den Spitznamen Eiche trug. Bis heute nennen sie Gerland so in Bochum, wo auch seine Trainerkarriere begann.

Der Talentschmied

Nach drei Jahren beim VfL (1985-88) war er noch beim 1. FC Nürnberg (88-90, 95-96), Tennis Borussia Berlin (1996-98), Arminia Bielefeld (1999-2000) und in Ulm (2000-01) als Trainer tätig. Voll aufgehen konnte er dann beim FC Bayern. 1990 vermittelte ihn Jupp Heynckes, damals Chefcoach der Profis, zur zweiten Mannschaft nach München. Hier machte sich Gerland einen Namen als vielleicht erfolgreichster Talentschmied der Bundesliga.

Von 1990 bis 1995, 2001 bis 2009 und 2010/11 war Gerland für den drittklassigen FC Bayern II zuständig. Sportliche Höhepunkte waren die Regionalliga-Meisterschaft 2004, sowie das Erreichen des DFB-Pokal-Achtelfinals (1993/94) und -Viertelfinals (1994/95, 2004/05). Für Gerland am Wichtigsten sind aber die Spieler, denen er den Feinschliff für die Bundesliga geben konnte.

Die Liste ist lang: Philipp Lahm, Owen Hargreaves, Bastian Schweinsteiger, Holger Badstuber, Thomas Müller, Christian Lell, Christian Nerlinger, Dietmar Hamann, Markus Babbel, Mats Hummels, Zvjezdan Misimovic, Paolo Guerrero, Piotr Trochowski... „Im Nachhinein“ ist nicht nur Schweinsteiger froh, durch Gerlands harte Schule gegangen zu sein. „Er war immer direkt. Und es war gut, dass es einen gab, der einem nicht nur Honig um den Mund geschmiert hat, sondern klipp und klar gesagt hat, wo es lang geht“, erzählte der heutige 101-fache deutsche Nationalspieler.

Der Mann im Hintergrund

Bis heute ist es Gerlands Ziel, „Spieler besser zu machen.“ Inzwischen sitzt er nicht mehr auf der Trainerbank im Grünwalder Stadion. Seit 2009 ist er Co-Trainer bei den Profis, arbeitete hier mit Jupp Heynckes, Louis van Gaal und jetzt mit Pep Guardiola - „ein absoluter Traumjob“, wie er sagt. „Keine Frage, Spieler zu sein, ist noch schöner. Aber das nächste ist Co-Trainer. Oder Torwart-Trainer. Chef-Trainer ist dann schon wieder nicht ganz so schön. Ich will nicht im Mittelpunkt stehen.“

Bei den Fans genießt der dreifache Vater und inzwischen auch Großvater Gerland längst Kultcharakter. Das Grünwalder Stadion tauften sie schon vor langem um inHermann-Gerland-Kampfbahn, auch in der Allianz Arena wird er regelmäßig mit Sprechchören gefeiert. Im Mannschaftskreis ist der Hobby-Pferdezüchter („meine größte Leidenschaft nach dem Fußball und meiner Frau“) äußerst beliebt. Hermann Gerland, Tiger und Eiche, vor allem aber ein herzlicher Mensch mit unverwechselbarem Ruhrpott-Charme - zum 60. Geburtstag wünscht ihm fcbayern.de alles Gute.

 

 

 

 

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