Die Tücken der ersten Etappen

Darum hilft der Spielplan Bayern schon jetzt im Titelkampf

 

München – Oft hat der FC Bayern die Meisterschaft schon früh eingeleitet. Der Spielplan kommt dem Rekordmeister entgegen, den in den kommenden Wochen kommen die dicken Brocken schon nach München.

Alte Liebe ist stabiler als kernige Rivalität. Als Spieler des FC Bayern sollte Manuel Neuer anderen Top-Klubs eigentlich nicht zu wohlwollend begegnen, doch als Ur-Schalker hat er die ersten Auftritte seines Heimatklubs selbstverständlich mit größter Genugtuung registriert. Es war ja nicht unbedingt davon auszugehen, dass die Königsblauen nach einem erbarmungswürdigen Saisonfinale so schnell wieder zur Ruhe kommen. Den klaren Auswärtssiegen in Duisburg (Pokal) und Bremen (Liga) hat Neuer nun eine für ihn immer noch erfreuliche Erkenntnis entnommen: „Es funktioniert.“

 

Weil auch die Lieblingsfeinde aus Dortmund sehr eindrucksvoll in die neue Runde gestartet sind, fällt es dem Nationaltorwart nicht schwer, „die üblichen Verdächtigen“ als Kandidaten für das Titelrennen zu identifizieren. Schalke, Dortmund, Leverkusen, Wolfsburg, auch den Gladbachern sieht er das Debakel beim BVB nach. Wobei, als einziger der Großen hat die rheinische Borussia gegen eines der ehernen Liga-Gebote verstoßen, das Neuer so zitiert: „Es ist wichtig, am Anfang die Punkte einzusammeln und keine Schwäche zu zeigen.“

Die ersten Spieltage sind immer ein Start ins Ungewisse. Es ist schon oft vorgekommen, dass auf den frühen Etappen, wenn der neue Kader noch nicht vollkommen harmoniert, ein Team den Kontakt nach oben abreißen lassen musste und nicht wieder aufnehmen konnte. Die Bayern haben es im Herbst 2010 selber erlebt, als sie nach sieben Spieltagen bereits zehn Punkte Rückstand auf den späteren Meister Dortmund hatten. Meist war es aber umgekehrt. In den letzten drei Jahren kam der Rekordmeister stets fulminant aus den Startblöcken und hielt die Konkurrenz bald sehr eindrucksvoll auf Distanz. Der Vorsprung nach 17 Spieltagen betrug zweimal neun und einmal zehn Zähler.

Die Sinne sind auch jetzt schon wieder geschärft. Am Donnerstag, zwei Tage vor dem ersten Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr, bei uns im Live-Ticker, beraumte Pep Guardiola vor dem Training eine außerplanmäßige Besprechung an. Das für zehn Uhr angesetzte Training begann mit einer Dreiviertelstunde Verspätung und endete um halb Eins, als die Spieler eigentlich ihre Medientermine schon hinter sich hätten haben sollen. „Du gewinnst den Titel nicht ganz am Anfang“, sagt zwar Arjen Robben. Aber umgekehrt kann man ihn schon ganz am Anfang verlieren. Und wie rasant sich Dinge zum Negativen verändern können, erlebten vor einem Jahr die Dortmunder. Nach drei Runden lagen sie nur einen Punkt hinter den Bayern, Anfang Februar waren sie Tabellenletzter.

Der Spielplan der Bayern ist durchaus dankbar. Nach dem erwartet demütigen HSV und der Reise nach Hoffenheim empfangen sie Bayer Leverkusen. Mit Wolfsburg und Dortmund müssen noch zwei weitere Spitzenklubs schon in den nächsten Wochen in der Arena antreten, während die Auswärtspartien in Darmstadt, Mainz und Bremen mäßig anspruchsvoll sind. „Es geht immer um 34 Spiele“, gibt Robben zu bedenken, lenkt den Blick aber dann doch auf die ersten Etappen: „Wir müssen versuchen, sofort am Anfang die Spiele zu gewinnen und eine Serie hinzulegen.“

Einem Spannungsabfall nach Jahren erdrückender Dominanz lässt sich auch dadurch begegnen, dass diese Saison etwas selbst für die Bayern Außergewöhnliches winkt. Der vierte Titel in Folge wäre für Robben „einfach Geschichte. Dann bist Du Teil einer Mannschaft, die das geschafft. Das bleibt für immer.“ In die Geschichtsbücher einzugehen, ist sogar in diesem maximal erfolgsverwöhnten Verein eine Extramotivation.

 

 

 

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